Bürgermeister Günther Albel präsentierte im Gemeinderat eine Weiterentwicklung für Federaun. Statt eines Logistikcenters soll eine Serverfarm entstehen, deren Abwärme für die Produktion von Lebensmitteln und die Versorgung mit Heizwärme verwendet wird. Eine Task Force mit allen Gemeinderats-Parteien wurde ins Leben gerufen.
„Man darf nicht blind sein für Neues“, sagt Bürgermeister Günther Albel. Am Freitag präsentierte er dem Villacher Gemeinderat neue Pläne für Federaun. Statt des umstrittenen Logistikzentrums soll hier ein modernes Nahversorgungszentrum für Daten, Lebensmittel und Energie entstehen. SPÖ, FPÖ und ÖVP unterstützen den neuen Ansatz, der sich „Food & Data – Villach Farming“ nennt.
Europäische Investoren für Datensicherheit
Kern des Konzepts ist eine Server-Farm auf rund sechs Hektar. Künftig könnten dort Daten regionaler Unternehmen und Behörden sicher gespeichert und verarbeitet werden – ohne Zugriff aus den USA oder China. „Wir wollen mit diesem Projekt Europas Datensicherheit stärken. Hier haben wir extreme Defizite. Und die betreffen uns alle“, sagt Albel. Interesse an einer möglichen Ansiedlung hat bereits die deutsche Zech-Gruppe bekundet, ein international tätiges Unternehmen mit 14.000 Mitarbeitern.
Internet-Knoten eröffnet neue Möglichkeiten
Möglich wird die Neuausrichtung durch den Internet-Knoten ALPSiX, der Federaun seit Kurzem mit internationalen Hochleistungs-Glasfaserleitungen verbindet. „Damit sind wir als Standort erstmals auf der Datenautobahn unterwegs. Bisher hatten wir nur Schnellstraßen“, erklärt Albel. „Der Ausbau wurde von LH-Stv. Martin Gruber und Landesrat Sebastian Schuschnig vorangetrieben. Für Wirtschaft und Industrie ist dieser Knoten ein enormer Standortvorteil.“
Kreislauf-Konzept mit Gemüse und Wärme
Die Server-Farm ist aber nur der erste Teil des Gesamtkonzepts: Denn sie ermöglicht den besonderen Kreislauf in Federaun: Die Server erzeugen Wärme – und diese Wärme wird nicht zum Abfall, sondern zum wertvollen Rohstoff. Die Abwärme soll für eine besonders effiziente Form des Ackerbaus in modernen Gewächshäusern genutzt werden. Auf bis zu zehn Hektar könnten ganzjährig Hunderte Tonnen regionales Gemüse produziert werden. „Kärnten hat bei Gemüse eine extrem niedrige Selbstversorgerquote von nur zehn bis 15 Prozent. Die Gewächshaus-Anlage kann diese deutlich verbessern“, sagt Albel.
Breite Unterstützung im Gemeinderat
„Als Landwirtschaftsreferent unterstütze ich eine so große Lebensmittel-Anbauoffensive zu 100 Prozent“, sagt FP-Chef Erwin Baumann. Und Villachs VP-Chef Christian Pober ergänzt: „Europäische Daten gehören auf europäische Server. Wenn wir deren Abwärme gleichzeitig für regionalen Gemüseanbau nutzen, verbinden wir Datensouveränität mit Versorgungssicherheit und schaffen echten Mehrwert für Villach.“
Doch das Projekt hat sogar noch einen dritten Nutzen: Ein Teil der Abwärme soll ins Fernwärmenetz eingespeist werden. Damit kann das Angebot in Villach ausgebaut werden – ohne zusätzlichen Gasanteil. Gleichzeitig will sich die Stadt für einen eigenen, günstigeren Villach-Tarif einsetzen.
Ein Kreislauf, bei dem nichts verloren geht
Daten, Energie und Lebensmittel werden in Federaun zu einem System verbunden: Server liefern die Abwärme, die Abwärme lässt Gemüse wachsen und speist die Fernwärme. Energie, die sonst verloren wäre, wird zur regionalen Ressource. „Genau diese Verbindung macht den neuen Ansatz innovativ und interessant“, sagt Albel. „Wir wollen nicht einfach drei Projekte nebeneinanderstellen. Wir wollen einen Kreislauf schaffen, bei dem möglichst viel vor Ort entsteht und möglichst viel vor Ort genutzt wird.“
Task Force mit allen Gemeinderats-Fraktionen
Bereits ab Montag soll eine „Task Force“ mit Vertreter:innen aller Villacher Gemeinderatsfraktionen weitere Möglichkeiten und offene Fragen klären. „Wir wollen den Prozess von Beginn an transparent und gemeinsam mit allen Fraktionen gestalten“, betonen Albel sowie die Stadträte Erwin Baumann (FPÖ) und Christian Pober (ÖVP) in einer gemeinsamen Stellungnahme.