Eine Steigerung des Bildungsniveaus, Elektrotechnik als zweitliebster Lehrberuf und mehr Selbstständigkeit: Der Frauenbericht ist Bewusstseinsbildung aber auch Auftrag, wo es noch Handlungsbedarf für Frauen in Villach gibt.
Es stecken viele Zahlen und wichtige Botschaften im neuen Villacher Frauenbericht, der am 10. März präsentiert wurde. Alle fünf Jahre werden Daten gesammelt, um die Lebensrealität von Frauen in der Stadt abzubilden. Gleichzeitig ist es ein Impulsgeber, wo Gleichstellung noch weiterentwickelt werden muss. „Dieser Bericht soll uns als Werkzeug dienen, damit wir strukturelle Hürden erkennen und Rahmenbedingungen weiter verbessern können. Es soll auch ein Anstoß für Diskussionen und Bewusstseinsbildung sein, damit unser Villach ein noch lebenswerterer Ort für Frauen wird“, erklärt Frauenreferentin Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser.
Hinter den Zahlen steckt ein großer Aufwand, der in Kooperation mit dem Frauenbüro unter Federführung der Frauenbeauftragten Alisa Herzog und der FH Kärnten gestemmt wurde. Politik- und Rechtswissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle dazu: „Den Kampf um Gleichstellung müssen nicht nur Betroffene führen. Ein Frauenbericht erzählt ebenso viel über die Männer in dieser Stadt und welchen Stellenwert sie ihren Müttern, Schwestern, Partnerinnen, Kolleginnen und Freundinnen einräumen!“
Hier die wichtigsten Eckdaten:
In Villach ist soziodemografisch ein leichter weiblicher Überhang zu erkennen, denn 51,8 Prozent der Bevölkerung sind Frauen. Die Anzahl an Bewohner:innen im Alter von 65 Jahren oder mehr hat sich erhöht. Villach hat weiters einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Alleinerzieherinnen. In 87,1 Prozenten aller Haushalte – bestehend aus einem Erwachsenen und Kind(ern) – leben Mütter ohne Ehe- oder Lebenspartner.
Das Bildungsniveau ist in den letzten Jahrzehnten sowohl bei Frauen als auch bei Männern laufend gestiegen. Nach wie vor erkennt man bei der Wahl der Ausbildung zwar das traditionelle Rollenbild von Frauen und Männern. Erfreulich ist aber, dass die Elektrotechnik zumindest in Villach der zweitbeliebteste Lehrberuf bei Mädchen ist.
Im Bereich der Kinderbetreuung hat Villach in den letzten Jahren mit einer Offensive und neuen Kindergärten ordentlich aufgeholt - bis 2027 schafft die Stadt zusätzlich 500 neue Betreuungsplätze. Ganzjährig und ganztägig geöffneten Betreuungseinrichtungen sind ein wesentlicher Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die Erwerbstätigenquote von Frauen hat sich in den letzten zehn Jahren erhöht - in Villach jedoch mit einem geringeren Anteil als österreichweit. Obwohl auch die Anzahl an teilzeitbeschäftigten Männern gestiegen ist, bleibt die Teilzeitbeschäftigung ein Frauenthema. Dies wirkt sich, neben weiteren Faktoren, drastisch auf die Höhe der Alterspension aus. Die Ergebnisse der österreichischen Zeitverwendungsstudie 2021/22 zeichnen weiters ein eindeutiges Bild bei der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit: Während Frauen von Montag bis Freitag durchschnittlich drei Stunden und 48 Minuten für Erwerbstätigkeit und fast fünf Stunden für unbezahlte Arbeit aufbringen, sind es bei Männern sechs Stunden und 46 Minuten für Erwerbstätigkeit und rund zwei Stunden für unbezahlte Arbeit.
Seit dem letzten Frauenbericht arbeiten mehr Frauen als Männer im LKH Villach – und zwar in allen Bereichen, von der Verwaltung bis zur Medizin. Der Anteil an niedergelassenen Kassenärzt:innen im Bereich der Gynäkologie und Frauenheilkunde ist in jedoch äußert gering. Als positiver Punkt ist zu bemerken, dass Kärnten auf Initiative von Gesundheitslandesrätin Dr.in Beate Prettner österreichweit die erste Modellregion für die Umsetzung von Gendermedizin ist.
Das Thema Gewalt gegen Frauen wird mit Zahlenmaterial des Gewaltschutzzentrums und des Villacher Frauenhauses untermauert. Insgesamt nehmen deutlich mehr Frauen als Männer die Beratungen des Gewaltschutzzentrums in Anspruch. Viele Frauen berichten nicht nur von physischer, sondern auch von psychischer Gewalt.
Immer mehr Frauen machen sich in Villach mutig auf den Weg in die Selbstständigkeit. Der Frauenanteil der Gesamtgründungen machte im Jahr 2024 rund 46 Prozent aus.
Spezialthema: Gendergerechte Stadtplanung ist ein Ansatz in der Stadtentwicklung, der darauf abzielt, die Bedürfnisse und Lebensrealitäten aller Menschen zu berücksichtigen – nicht nur die traditionell im Fokus stehenden Gruppen (oft der berufstätige Mann mit Auto). Für Villach wird das Thema als klar relevant eingeschätzt. Herausforderungen bestehen vor allem in der systematischen, geschlechter-
differenzierten Datenerhebung. Die verbindliche Verankerung in strategische Leitlinien und eine verpflichtende Gender-Folgenabschätzung würde dazu beitragen, das Thema dauerhaft in der Stadtplanung zu positionieren.
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